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Start:
Lugano
24.Januar 2000
Alpe di Bolla
Lugano - Monte Bre - Alpe di Bolla - Lugano
Im Januar im Süden
Mountainbiken bei 7-10°Grad plus bei Nordföhn im Tessin. Ein
Abenteuer der besonderern Art liegt vor mir wie ich später feststellen
musste. Mit dem Auto durch den Gotthard. Bis Göschenen vorsichtiges
fahren bei Schneefall- durch den Gotthardtunnel- Und tatsächlich
in Airollo empfangen uns die ersten vereinzelten Sonnenstrahlen. Und
je weiter gegen Süden immer Sonniger und Wärmer wird es bis
ich im Südtessin in Lugano angelangt bin. Ruhig und ohne Hektik
liegt das Südtessin genauer Lugano vor mir. Lugano ganz ohne Dunstglocke
bei Nordföhn welch ein Ambiance. Das muss man erleben und ist sehr
schwer zu beschreiben. Nicht der grosse Rummel wie in den Sommermonaten.
Auf der PiazzaGrande vereinzelte Spaziergänger am See viele Sonnenhungrige
die den Föhntag geniessen und Sonne auftanken. Mein Ziel ist aber
der Parkplatz beim Stadio Comunale wo immer viele freie Parkplätze
bereit stehen. Kurz umziehen und Gut eingehüllt in Thermobekleidung
und los gehts.
Ab dem grossen Parkplatz
des Stadio Comunale gehts zunächst Richtung Lugano und hoch
Richtung Monte Bre
Bei der letzten grossen Spitzkehre gehts weg von der Asphaltstrasse
und unter der Bre-Bahn durch vorbei an der Eisenabschrankung und auf
einem sehr gut zu fahrenden breiten Wanderweg hoch nach dem Ort Bre.
Dabei gibt es kurz unterhalb Brè auch noch ein wenig steiler
hoch aber immer noch im Sattel fahrbar. Mitten durch den Ort über
Kopfstein weiter hoch bis die Strasse endet beim Wald, und ein sehr
steiler Waldweg beginnt. Der Waldweg ist wie eine Wand so steil so kommt
es mir vor. Wer hier alles mit dem Bike bewältigt hat wohl stahlharte
Muskelpakete vorzuweisen. Aber wer die Herausforderung sucht?! Immer
entlang dem breiten Wanderweg geht es bald wieder flacher bis zum Wasserreservoir.
Beim Wasserreservoir gibt
es zwei Streckenvarianten: Ab hier steht
der Biker vor der Wahl die einfache Route auf direktem Weg zur Alpe
Bolla oder den anspruchsvolleren und schwierigeren Weg hoch auf den
Monte Boglia zu wählen.
| Ab
Reservoir
schwierige Variante auf
den Monte Boglia: |
Auf
den Monte Boglia gelangt man, wenn man beim Wasserresservoir (1040m)
stark rechts abbiegt und den sehr steilen Waldweg nimmt der hinauf
zum Sasso Rossa (1295m) führt. Dieser Aufstieg bis Sasso Rossa
ist äusserst steil aber für guttrainierte Biker alles
im Sattel fahrbar. Ab Sasso Rossa ist fertig mit fahren, und das
Bike muss mehrheitlich bis zum Monte Boglia hinauf getragen oder
gestossen werden. Dabei geniesst man vom Grat den fantastischen
Ausblick hinunter zum italienischen Teil des Lago di Lugano. Auf
dem Monte Boglia angekommen kann man ein grandioses Panorama geniessen.
Dieses Rundum Panorama ist wohl eines der schönsten und eindrücklichsten
was man im Tessin finden kann. Man muss es einfach erlebt haben!
Wer sich vom Aufstieg erholt hat und sich von der Aussicht losreissen
kann, stürzt sich auf der gegenüberliegenden Seite des
Berges hinunter nach Alpe Bolla. Die jetzt folgende Abfahrt führt
immer der Grenze Schweiz/Italien entlang. Diese Abfahrt führt
zunächst über den Gipfelgrat. Weiter unten über einen
schmalen schwierig und kurvenreichen Weg nach unten. Dabei ist bei
Spitzkehren oder Steinstuffen oft kurz abzusteigen. Dieser technisch
sehr schwierige Abschnitt ist für vor allem etwas für
Trial Freaks. Anfänger haben hier oben nicht verloren. Unten
hält man sich Links (westlich) und gelangt so zur Alpe Bolla.
Beim Grotto auf der Alpe Bolla kann man sich nun Stärken für
die restliche Abfahrt. |
| (weiter
auf original-Strecke ab Alpe Bolla) |
Da
es Winter ist und weiter oben gegen den Monte Boglia mit mehr Schnee
zu rechnen ist wähle ich die einfachere Variante zur
Alpe Bolla:
Vorbei geht's am Wasserreservoir bis es wieder etwas steiler bis auf
die Berkkuppe geht. Hier tauchen schon die ersten kurzen Schneefelder
auf, wo aber noch gut zu fahren ist da der Schnee hart und kompakt ist.
Weiter geht es dann entlang der Bergflanke des Monte Bogglio auf einem
im Sommer sicherlich probelmlos zu fahrendem Wanderweg. Aber welche
Herausforderung im Winter genauer im Januar. Denn es liegt Schnee auf
dem Wanderweg. Meist Hart und Kompakt, Teilweise stark vereist. Welche
herausforderung an die Konzentration - und Steurkünste erster Güte
sind sowieso gefragt. Was im Sommer ein fast problemloses vorwärtskommen
erlaubt wird hier zum Abenteuer erster Klasse. Der Adrealinkick ist
hier garantiert. Links gehts teilweise fast senkrecht bergab so
kommt es mir jedenfals vor. Der Weg durch den Schnee und das Eis muss
mit Balance und Feingefühl gesucht werden. Immer bereit den rettenden
Sprung zu versuchen, fals die Räder wegrutschen. Ein Weg ist ein
stetes sanftes bergauf und bergab bei voller Konzentration. Hier bin
ich tatsächlich auf äusserste gefordert. Plötzlich rutscht
das Vorderrad weg, aber mit schneller Reaktion aus den Pedalen, noch
mal gut gegangen. Noch vorsichtiger und jetzt auch ganz mal kurz schieben
nur nichts leichtsinniges Riskieren denke ich mir. Immer rechne ich
mit dem Sturz. Da ein kurzes Stossgebet, dort ein kurzer unterdrückter
halblauter Fluch. Doch alles geht gut. Glücklich komme ich auf
der Alpe Boglio an. Hier ist im Winter natürlich geschlossen und
die Alp ist Menschenleer. Aber eine Rast ist angesagt. Welch eine Wohltat.
Die Thermosflasche mit warmer Trinksame ist eine Wohltat für die
geschundenen Gelenke kühlen Extremitäten. Noch ein wenig die
wärmenden Sonnenstrahlen geniesen. Und die Abfahrt beginnt. Auch
hier wieder Schnee und Eisreste. Immer wieder heisst es dossiertes Bremsen
und geschicktes steuern. Allmählich werde ich wagemutiger und fahre
ein wenig schneller talwärts. Diese Abfahrt lässt das Bikerherz
höher schlagen. Die Schnee und Eisfelder werden langsam weniger,
aber jetzt kommt noch das Laub hinzu. Was für ein Erlebnis durch
Laub zu fahren das teilweise höher als das Tretlager reicht. Etwas
was wie eine Tiefschneeabfahrt auf Skiern im Schnee zu beschreiben ist,
ein völlig neues Abfahrtserlebnis auf dem Mountainbike. Fast schon
ein wenig euphorisch und die Gefahr durch den heimtückischen Schnee
und Eis fast vergessen passiert es doch. Im Laub versteckt ein Eisfeld.
Das Vorderrad versagt den Steuerkünsten und rutscht unvermittelt
weg. Der Sturz ist unvermeidlich. Zwar durch den Laub gedämpft
aber doch unsanft lande ich auf dem Waldboden inmitten von Laub. Langsam
rapple ich mich wieder auf. Alles scheint in Ordnung bei mir zu sein,
nur das linke Knie schmerzt ein wenig, aber nicht weiter schlimm. Zur
gleichen Zeit kreuzt ein Jogger die Stelle. Was dieser Jogger von mir
denkt kann ich nur erahnen wohl nicht nur gutes. Doch ein kurzes Nicken
des Kopfes und vorbei ist er. Beim Bike scheint auch alles in Ordnung
zu sein denke ich zunächst und sitze auf. Doch das Hinterrad dreht
nicht mehr richtig. Zum Glück nicht weiter schlimm. Die Bremse
hat sich verklemmt und kann in kurzer Zeit wieder einigermassen gangbar
gemacht werden. Jetzt habe ich doch noch einen gewichtigen Grund zum
Velomech zu gehen und den nötigen Winterservice zu machen. Die
restliche Strecke bis Cureggia werden nun wieder vorsichtiger unter
die Räder genohmen. Oberhalb des Dorfes Cureggia fahre ich aus
dem Wald und komme bald auf die Strasse die mich rassig wieder hinunter
nach Lugano Pregassona zurückbringt. Dann noch das gemütlich
Ausrollen und zurückpedalen zum Ausgangspunkt dem Stadio Comunale.
Doch wo ist das Auto. Ohne mein Wissen hat in der Zwischenzeit ein Eishockeymatch
in der nahen Resega-Halle begonnen. War doch bei meiner Ankunft hier
der ganze Parkplazt fast leer, ist er nun praktisch voll belegt. Zum
Glück ist meine Suche nach dem fahrbaren Untersatz nach kurzer
Suche von erfolg gekrönt. Eine prachtvolle und in der Erinnerung
haftende Tour findet einen zufriedenen Abschluss. Zurück durch
den Gotthardstrassentunnel empfängt mich wieder Schneetreiben.
Um so lieber denke ich an das sonnige Lugano zurück und nehme so
ein wenig Sonne in den folgenden Alltag mit.
cu RedOrbiter
Ziel:
Lugano
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